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Der Andrang ist gigantisch

berufsinfo 19 sz

Auf der siebten Berufsinfo-Messe in Kirchseeon treffen Betriebe auf die potenziellen Auszubildenden der Zukunft. Was als kleines Projekt begann, lockt dieses Jahr 59 Unternehmen und 500 Schüler und Eltern nach St. Zeno.

Von Valentin Tischer, Kirchseeon sz
Auf der Suche nach Praktikanten und vor allem Auszubildenden sind die einen. Die anderen suchen Informationen für ihre berufliche Zukunft:

Auf der Berufsinfomesse in Kirchseeon trafen Vertreter von 59 Betrieben, Verbänden und Behörden auf mehr als 500 Schüler und Eltern. Zum siebten mal hatte der Mittelschulverband Ebersberg-Süd mit seinen Kooperationspartnern ins Berufsbildungswerkwerk der Stiftung St. Zeno eingeladen.

Was als Bündelung der einzelnen Berufsmessen der Mittelschulen begonnen hat, ist in den vergangenen Jahren zu etwas Großem gewachsen. "Die Messe hat sich super etabliert", sagt Sonja Naumann, die selbst ausstellt und sich ehrenamtlich bei der Stiftung St. Zeno engagiert: "Das Format, die Messe abends für zwei Stunden abzuhalten, hat früher schon gut funktioniert und heute ist es immer noch so."

Vor allem aus dem südlichen Landkreis Ebersberg sind neben den "üblichen Verdächtigen", wie der Sparkasse oder der Polizei, auch kleinere Betriebe wie örtliche Kfz-Betriebe gekommen. Neben dem Hersteller von medizinischen Prothesen, stehen die Personaler einer Hotelkette. Alle unterschiedlichen Branchen, die der Landkreis Ebersberg zu bieten hat, sind durch mindestens eine Firma vertreten. Über mehrere Räume erstreckt sich die Veranstaltung, vom Speisesaal über die Gänge bis zur Turnhalle. Überall Stände, an denen Anwerber auf die Fragen der Schüler warten. An vielen Stellen ist manchmal ein Durchkommen schlicht nicht möglich.

Besonders extravagant gestaltet haben die meisten Betriebe ihre Stände nicht, die meisten bestehen aus Aufstellern, Bannern und einem Tisch. Das Augenmerk liegt nicht auf einem möglichst beeindruckenden Standauftritt, sondern auf dem Gespräch mit den gekommenen Schülern und Eltern.

Den Schülern soll es möglich gemacht werden, Informationen von Firmen aus dem Landkreis zu gekommen, wobei möglichst viele Branchen vertreten sein sollen. Von Bank und Steuerberater über die Kreisklinik bis zur Zimmererinnung sind viele verschiedene Sparten vor Ort.

Größere Menschentrauben bilden sich immer wieder vor dem Stand der Polizei. "Der Andrang ist gigantisch", sagt der Einstellungsberater der Polizei Freising-Erding-Ebersberg Richard Härtter. In erster Linie lädt die Polizei auf der Messe interessierte Schüler zum Praktikum und zum Beratungsgespräch ein. Auch jetzt hat Härtter schon fünf Schüler eingeladen. Am Ende der Messe werden es zehn bis fünfzehn sein, schätzt er. Mit einer bestimmten Gesprächsstrategie geht er nicht vor, der Dialog mit den Schülern soll aus der Situation heraus entstehen. "Wichtig ist erst einmal, Distanz abzubauen und ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen", beschreibt er sein Vorgehen. Anscheinend funktioniert das auch, wenn am Stand der Polizist mit der Waffe am Gürtel steht, immer wieder bleiben Interessierte bei ihm stehen.

Eine Ausnahme von sonst eher schlichten Ständen bildet der Auftritt von Josef Ziegltrum. Der Besitzer der gleichnamigen Gärtnerei aus Vaterstetten hat einige Kisten mit bunten Blumen um seinen Tisch gestellt. Schon sechsmal war er auf der Messe vertreten. Besonders die große Anzahl an potenziellen Auszubildenden aus dem Landkreis schätzt er an ihr: "Die Interessierten sind gleich vor Ort." Drei Azubis hat er so schon gefunden, erzählt er. Einige Verbesserungsvorschläge hat der Gärtner aber an die Messe. So würde er sich wünschen, dass auch die Realschulen mehr in die Messe eingebunden werden.

Für manche Branchen geht es auf der Messe vor allem darum, Präsenz zu zeigen. So etwa am Stand von Steuerberater Oliver Braun aus Grafing. In den Gesprächen auf der Messe beobachte er, dass viele seinen Beruf gar nicht kennen, weswegen er auch da ist, um sein Arbeitsfeld vorzustellen. "Das ist eine nachhaltige Geschichte. Irgendwann erinnert sich sicher einer und wird Steuerberater", sagt er. Braun ist auch von Schülern, die gekommen sind, überzeugt: "Man merkt, dass sie nicht gezwungen worden sind. Sie haben Interesse und stellen gute Fragen."

Nicht ganz so euphorisch ist die Stimmung am Stand der Zimmererinnung Ebersberg. Die Nachwuchssorgen der Betriebe sind groß, erzählt der stellvertretende Obermeister Peter Schöpperle. Die dreizehn Innungsbetriebe teilen sich zwölf Auszubildende. Auf der Messe geht es dem Innungsmeister darum, die Schüler zu informieren, welche Möglichkeiten in seinem Berufsfeld liegen. Dadurch hofft er, dass sich zumindest eine Hand voll neuer Azubis findet: "Vielleicht bleibt mal einer von hundert bei uns hängen."

"Allen ist daran gelegen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen", sagt Peggy Ott von der Agentur für Arbeit. Die Messe ist ein wichtiger Baustein, um das Problem in der Region abzuschwächen. Vor allem ist für Ott die Messe im Sinne der Schüler, sie knüpfen Kontakte und kommen "nie so unkompliziert an Personaler heran."

Alexander Bär von der Grund- und Mittelschule Ebersberg, einem der Veranstalter, ist es wichtig, dass die Veranstaltung außerhalb der Schulzeiten stattfindet. Die Eltern sollen ihre Kinder begleiten können. "Das war ein wichtiger Ansatzpunkt", erklärt Bär. Dass es Wirkung zeigt, spiegelt sich laut dem Schulleiter auch in der hohen Anwesenheitsrate wieder. Auf 80 bis 85 Prozent schätzt er die Quote bei seinen Siebt- bis Zehntklässlern.

Überzeugt von der Veranstaltung zeig sich der stellvertretene Landrat Toni Ried (Freie Wähler): "Die Messe ist ein hervorragendes Angebot. So etwas gibt es nicht überall." Er geht an viele Stände und unterhält sich mit den Ausstellern. "Man kriegt leicht und schnell einen Überblick über die Situation im Landkreis. Genau da muss die Politik hin", sagt Toni Ried über seine Gespräche mit den Ausstellern. Der Bürgermeister der Veranstaltungsgemeinde Kirchseeon Udo Ockel findet Gefallen an der Messe: "Das ist ein tolles Angebot auf engem Raum."

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