Copyright 2020 Berufsbildungswerk Stiftung St. Zeno Kirchseeon

Energiewende - spielend leicht

Merkur 16.01.20
In Kirchseeon wird ein Model gebaut, mit dem das Thema erlebbar gemacht werden soll

VON ROBERT LANGER
SpielflaecheDorf

Kirchseeon/Landkreis – Die Marktgemeinde Kirchseeon hat einen neuen, modernen Ortsteil. Zumindest für ein paar Wochen und im verkleinerten Modellbauformat.

Die "Siedlung" ist gegen allen Unbilden des Wetters geschützt.

In einem großen Raum im Berufsbildungswerk St. Zeno wurde das "Energiespardorf' vorgestellt: Ein großformatiges Spiel mit zukunftsträchtigem und realem Hintergrund. Damit wird nämlich die angestrebte Energiewende in all ihre Facetten und Wechselwirkungen erfahrbar.

Bei der Auftaktveranstaltung waren die geladenen Gäste voll engagiert, motiviert und stürzten sich ins Spielgeschehen. Landrat Robert Niedergesäß hatte aber leichte Probleme, ein Windrad zur alternativen Energiegewinnung zu errichten. Da machte die 10-H-Regelung das Projekt ziemlich schwierig.

Peter Satzger, Diplom-Physiker aus Landsberg, der im Bund Naturschutz engagiert ist, hat das Modell schon vor einigen Jahren entwickelt. Er moderierte den Testlauf in St. Zeno. Sechs derartige Anlagen gibt es derzeit in Bayern. Sie sollen zum einen Schülern einen spielerischen Zugang zum Thema ermöglichen, sind aber auch für Erwachsene gedacht, beispielsweise Gemeinde- oder Kreisräte.

Steckerleisten

Die Spielfläche entspricht einem Dorf von acht Kilometern Länge und zwei Kilometern Breite. die 25 Häuschen aus Holz sind symbolischer Wohnraum für etwa 10 000 Einwohner, also etwa die Größe von Kirchseeon. Das Modell kann aber auch auf Verhältnisse in anderen Kommunen umgesetzt werden. "Die Kirche steht in der Mitte, das passt schon", meinte der Landrat. Wer die Häuschen hochhebt, sieht Steckerleisten. Da können unter anderem die privaten Verbraucher wie Wäschetrockner ausgeschaltet werden. Auf der Unterseite der Spielfläche

gibt es jede Menge Kabelverbindungen. Jedes Ziehen oder Einschalten eines Steckers wird an einen Computer weitergeleitet. Das Ergebnis erscheint als Anzeige auf einem Bildschirm. Der Austausch von Glühbirnen durch LED bringt beispielsweise eine entsprechende Energieersparnis, sichtbar im Computer-Diagramm.

Ziel des Spieles ist die Simulierung einer Reduktion des CO2-Ausstoßes. Da helfen Windräder oder auch der Bau von Biogasanlagen. Im Spiel durfte bei letztem Vaterstettens Bürgermeister und Kreisrat Georg Reitsberger tätig

werden, der in der Realität als Landwirt selbst eine Anlage hat. Doch für die Biogasanlage braucht man Maisanbauflächen. Das wird im Spiel mit zusätzlichen Bodenplatten umgesetzt. Aber wie muss reagiert werden, wenn dadurch Flächen für die Nahrungsmittelproduktion wegfallen? Eingesetzt werden zudem Solarmodule. Scheinwerfer ersetzen im Spiel die Sonne. Wenn eingeschaltet wird, ist das Ergebnis sofort digital zu sehen. Landrat Niedergesäß sprach von einem großen Uhrwerk, bei dem jedes kleine Rädchen Auswirkungen habe.

BildungSchluessel

Im Spiel werden aus den Teilnehmern Akteure mit bestimmten Rollen, von Naturschützern bis zu Industriellen und Energieanbietern. Teilweise sind sie auch Mitglieder in Gemeinderäten, die Entscheidungen für ihre Kommune treffen müssen. "Demokratie ist furchtbar anstrengend, aber es geht", sagte Satzger. Gekennzeichnet werden die Akteure durch Buttons, die ebenso wie weitere Spielteile sortiert in Kisten zur Spielausrüstung gehören.

„Bildung ist der Schlüssel, die Voraussetzung für die Energiewende", sagte Kreisklimamanager Hans Gröbmayr. "Es geht um die Vermittlung von Wissen. Wir müssen uns an die Fakten halten." Die Anlage soll vor allem für Schüler ab der fünften Jahrgangsstufe, aber auch für andere Interessierte zur Verfügung stehen. Zunächst bleibt das Spiel im BBW in Kirchseeon aufgebaut. Später soll es, für den Transport in Module zerlegt und wieder aufgebaut, in Schulen zum Einsatz kommen. Vorgesehen sind Spieleinheiten von jeweils vier nterrichtsstunden. Die Moderatoren sollen gestellt werden. Gebaut wurde die Anlage in St. Zeno. Kosten: rund 20 000 Euro.

Weitere Informationen

energieagentur-ebe-m.de

 

Suche

f t g m

Heute: 10 Woche: 393 Monat: 885 Gesamt 297343

Impressum       Datenschutz