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Große Bühne für Traumjobs

Süddeutsche 23. Februar 2017, 17:35 Uhr

Auf der Berufsinformationsmesse des Mittelschulverbunds Ebersberg-Süd in Kirchseeon präsentieren 50 Betriebe 90 Ausbildungsberufe. Hunderte Jugendliche und deren Eltern nutzen das Angebot
Von Karin Kampwerth, Kirchseeon

sz170224Um die jungen Leute für die Ausbildungsberufe zu interessieren, dürfen sie bei der Berufsinformationsmesse in Kirchseeon auch mal selbst Hand anlegen.
(Foto: Christian Endt)

 

 

 

 

 

Timo Spirgatis hat seinen Traumjob gefunden. Einziges Ärgernis: Glänzen kann der Ebersberger nach Feierabend bei seinen Freunden damit nicht. Der Auszubildende der Modell- und Formenbaufirma Schröter musste zusammen mit seinem Arbeitsvertrag nämlich eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben. Denn das, was da in Oberpframmern gefertigt wird, ist erst - wenn überhaupt - in einigen Jahren für die Öffentlichkeit bestimmt, berichtet der junge Mann am Mittwochabend im Berufsbildungswerk St. Zeno in Kirchseeon. Spirgatis' Ausbildungsfirma, die unter anderem Prototypen für große Automobilkonzerne herstellt, gehört zu den 50 Betrieben, die auf der fünften Berufsinformationsmesse des Mittelschulverbundes Ebersberg-Süd nach Azubis Ausschau halten.

Oder auch um Azubis werben. Denn die Handwerksbetriebe könnten sich ihren Nachwuchs nicht mehr unter Vielen aussuchen, sagt Inge Boockmann. Die Chefin der Ebersberger Arbeitsagentur verschaffte sich bei einem Messerundgang mit Landrat Robert Niedergesäß, Kreishandwerksmeister Johann Schwaiger und Vertretern aus Schulen und Politik einen Überblick.

Die Ausbilder lassen sich viel Unterhaltsames einfallen

Den Nerv bei vielen Jungs trifft die Firma Schröter mit dem Prototypen eines Audi, der vor ein paar Jahren mal für Windkanaltests hergestellt wurde. "Der ist später sogar bei 24-Stunden-Rennen eingesetzt worden", erzählt Spirgatis. So exotisch geht es in anderen Berufen nicht zu, weshalb sich die Ausbilder Unterhaltsames einfallen lassen, um mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Die Elektrofirmen Heigenmoser aus Zorneding und Naumann aus Kirchseeon luden zum Torwandschießen auf die Trommel einer alten Waschmaschine ein - und erklärten danach den Kabelsalat an einer Schaltzentrale. Elektroniker-Azubi Daniel Schmidt schwärmt von der Vielseitigkeit seines künftigen Berufes und Ausbilder Michael Vodermayr freut sich über die Resonanz, die sein Betrieb auf der Messe erfährt. Man finde Praktikanten und bekomme Bewerbungen.

Deutlich schwerer ist es für die Metzgerei Heimann, die in Glonn, Grafing und Kirchseeon ansässig ist, Auszubildende zu finden. Monika Heimann freut sich umso mehr, dass ihr Sohn schon in den Betrieb eingestiegen ist und die Tochter demnächst dazu stoße. Denn in einer Metzgerei gehe es längst nicht mehr nur um die Wurst. "Das Kochen und der Partyservice gehört ja inzwischen auch dazu", sagt die Chefin, das sei durchaus attraktiv. Um die Jugendlichen auf den Geschmack zu bringen, gibt es hübsch angerichtete Häppchen. "Gegessen werden dürfen die aber erst am Schluss", sagt Monika Heimann und lacht.

"Wir suchen ausnahmsweise mal die Guten", wirbt die Polizei

Gedrängel herrscht an diesem Abend an vielen Ständen - nicht nur aus der Region. "Wir suchen ausnahmsweise mal die Guten", wirbt die Polizei; die Bundeswehr ist vertreten und die Landeshauptstadt München informiert über das Berufsbild der Diätassistentin. Landrat Niedergesäß schaut kurz auf dem Stand seiner Kreisbehörde vorbei, wo Henry Rüstow, der sich üblicherweise um den öffentlichen Personennahverkehr und die Schülerbeförderung kümmert, nach Verwaltungsfachangestellten sucht.

Um die 70 Bewerbungen und 20 Vorstellungsgespräche, das sei etwa die Ausbeute aus der Berufsinformationsmesse - fünf Auszubildende würden letztlich eingestellt. Die nächsten aber erst im September 2018. Bewerbungsschluss dafür ist allerdings schon diesen Mai.

Deshalb sind unter den Schülern auch viele Achtklässler wie Merle, Maria und Helena. Die drei 14-Jährigen besuchen die Mittelschule in Kirchseeon und fühlen sich nun gut informiert, wie es danach mal weiter gehen könnte. "Das Angebot hier ist wirklich vielfältig", lobt Merle. Maria, die bislang nur abstrakt "was mit Menschen" machen will, hat jetzt konkrete Vorstellungen, zum Beispiel von einer Ausbildung in einer Bankfiliale. Nur Helena braucht keine Inspiration mehr. "Ich will Tierärztin werden, dafür muss ich aber studieren."

 

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